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Pressestimmen |


Bild © Dr. Karl-Heinz Fischer
Collegium Musicum, Ev. Stadtkirche, 4.3.2012
Das Werk von Henry Purcell wird hierzulande in der Regel nur am Rande zur Kenntnis genommen. Man weiß vielleicht noch, dass Purcell, rund ein halbes Jahrhundert von Johann Sebastian Bach, der wohl bedeutendste englische Komponist der Barockzeit war, sofern man von Georg Friedrich Händel absieht, aber die musikalischen Schätze, die er hinterlassen hat, sind noch kaum gehoben. Einer davon ist der „Orpheus Britannicus“, eine Sammlung von Werken für Chor, Orchester und Solisten, die die Witwe Purcells nach dessen Tod veröffentlicht hatte. Daraus hat sich das Collegium Musicum Baden-Baden unter der Leitung von Edzard Burchards nun einige Stücke ausgesucht und in einem eindrucksvollen Konzert am Sonntagnachmittag in der evangelischen Stadtkirche aufgeführt.
„Anthems“ sind gewissermaßen das englische Pendant zu den Kantaten, wie sie in Deutschland Johann Sebastian Bach schuf, Geistliche Musik also, die für den Gottesdienst gedacht war und die es in verschiedenen Besetzungen für Chor, Solisten und Orchester gab. Auch Henry Purcell hat viele solcher Anthems geschrieben. Vier davon standen am Anfang des Konzerts. Zwar hat Henry Purcell diese religiöse Musik nicht ganz so vertrackt und verzwirbelt gebaut wie Bach die seinen, dennoch aber weisen sie eine gewisse Nähe zu dessen Kantaten auf. Als Textvorlagen dienen Purcell vor allem Psalmen und Passagen aus dem Neuen Textament. Eingeleitet und begleitet von einem kleinen Streichorchester sind die Anthems dann wie Bachs Kantaten Wechselgesänge zwischen Solisten und Chor. Den Orchesterpart übernahm dabei das Karlsruher Barockorchester, das der Aufführung mit seiner historisch informierten Spielweise ein stimmiges und authentisches Gepräge gab. Dazu passt auch, dass man den Alt nicht einer Frauenstimme überließ, sondern, wie in der Barockzeit üblich von einem Mann, einem Altus, ausführen ließ. In diesem Fall war es Matthias Lucht, der den Kopfstimmengesang hervorragend beherrschte. Im folgenden Werk, einer Geburtstagsode für Queen Mary, gesellte sich in einem Duett auch der Dirigent Edzard Burchards als zweiter Altus zu Matthias Lucht. Auch mit den übrigen Solisten, dem Bass Kai Rouven Seeger, dem Tenor Jörg Deutschewitz und der Sopranistin Cornelia Winter hatte man herausragende und stilgerecht singende Musiker verpflichtet. Der Anteil an Chorsätzen in den einzelnen Anthems ist unterschiedlich groß, durchweg aber handelt es sich um außerordentlich wirkungsvolle Musik, die nur so präzise und kultiviert vorgetragen werden muss wie vom Collegium Musicum, um das Publikum zu begeistern.
Nach den Anthems und der Geburtstagsode, die hauptsächlich vom Orchester und den Solisten bestritten wurde und bei dem der Chor nur im letzten Satz, dort aber mit einer sehr respektabel ausgeführten Fuge zum Zug kam, erklang nochmals ein für Queen Mary komponiertes Werk, diesmal aber eine Trauermusik zu deren Beerdigung. Auch hier bewiesen Chor, Orchester und Solisten viel Einfühlungsvermögen und brachten eine eindrucksvolle und stimmige Aufführung zustande. In ähnlich gedämpfter Stimmung ist auch die Schluss-Szene aus Dido und Aeneas gehalten, mit der das Konzert abschloss. Neben der Sopranistin, die hier noch einen letzten glanzvollen Auftritt hatte, zeigten sich auch die Sängerinnen und Sänger des Collegium Musicum noch einmal von ihrer besten Seite und erfreuten mit präzisem, sensiblem und kultiviertem Chorgesang. Mit lang anhaltendem Beifall in der fast voll besetzten Kirche wurden die Musiker für ihren Auftritt belohnt.
Karl-Heinz Fischer
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Bilder: © Gerd Falk