Presse

Badische Neueste Nachrichten 20.11.2018

 

Musiker entfalten ein Kaleidoskop von Gefühlen

Philharmonie Baden-Baden und das Collegium Musicum beeindrucken mit

Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem in d-Moll

DER SCHLUSSAPPLAUS WOLLTE NICHT MEHR ENDEN: Starke und zutiefst berührende Klänge der Angst, Wut und Traurigkeit aber auch der Hoffnung und des Trostes erfüllten den Weinbrennersaal des Kurhauses. Die Philharmonie Baden-Baden und das Collegium Musicum standen zuletzt 2016 gemeinsam auf der Bühne.

Fotos: Kraft

 

Es gibt wohl wenige große Werke, um die sich so viele Gerüchte und Geschichten rankten wie um Wolfgang Amadeus Mozarts grandioses Requiem in d-Moll KV 626 aus dem Jahr 1791. In dem Werk,
das bereits unter mysteriösen Umständen in Auftrag gegeben, zu großen Teilen auf dem Sterbebett diktiert und
letztlich auch nicht vom Meister selbst vollendet wurde, entfaltet sich ein buntes Kaleidoskop aller Gefühle, die den
Menschen im Angesicht des Todes überkommen.
Starke und zutiefst berührende Klänge der Angst, Wut, Verzweiflung und Traurigkeit, aber auch der Hoffnung und des Trostes erfüllten am Nachmittag des Volkstrauertages den komplett gefüllten Weinbrennersaal des Kurhauses. Die Philharmonie Baden-Baden und das Collegium Musicum Baden-Baden, die zuletzt 2016 gemeinsam auf der Bühne standen, beeindruckten dort mit einem eineinhalbstündigen Konzert, bei dem sich alles um das mit nur 35 Jahren allzu früh verstorbene Musikgenie aus Salzburg drehte.

Der Schlussapplaus wollte gar nicht mehr enden. Das renommierte Orchester und der bekannte Konzertchor präsentierten zusammen mit dem blutjungen, sehr begabten Violinisten Elias Moncado und vier exzellenten Gesangsolisten ein Konzertprogramm, das dem Tag selbst gerecht wurde und keine musikalischen Wünsche

offen ließ.
Konzentriert und engagiert hielt Dirigent Mateo Peñaloza Cecconi die mehr als 60 Sängerinnen und Sänger,
den Orchesterapparat und die Solisten zusammen, verband sie zu einer harmonischen Einheit und bestand
seine Feuertaufe als neuer Chorleiter mit Bravour.
Erst im Sommer hatte er die Leitung des Collegium Musicum übernommen.
Sein erstes Konzert mi diesem Ensemble und der Philharmonie begann mit Mozarts Violinkonzert
G-Dur, KV 216. Der erst 18-jährige Geiger Moncado setzte mit diesem melodienreichen Werk den ersten Glanzpunkt und bewies, dass er zu Recht Preisträger mehrerer nationaler und internationaler Wettbewerbe ist.
Lebhaft, zupackend, aufbrausend, aber auch himmlisch sanftmütig und tänzerisch verspielt, präsentierte
der gebürtiger Aachener, der derzeit am Mozarteum Salzburg studiert, auf seiner exakt, rund und fließend
gestrichenen „Stradivari“ – im schönen „Zwiegespräch“ mit dem Klangkörper und fernab von oberflächlicher
Effekthascherei das kontrast- und farbenreiche Meisterwerk von 1775, das sich zwischen humorvollem
Übermut und getragener Kantilene, göttlicher HarmoKonzertnie und satanischer Wut bewegt.

 

JUNG UND BEGABT: Der Violinist Elias Moncado setzt den ersten Glanzpunkt und
beweist, dass er zu Recht Preisträger mehrerer Wettbewerbe ist.

 

Höhepunkt des Nachmittags war dann das Mozartrequiem.
In ausgezeichnetem Zusammenklang mit dem Orchester und den Solisten präsentierte der bestens disponierte Konzertchor die in lateinischer Sprache gesungene Totenmesse, die Mozart als Fragment hinterlassen hatte und die erst im Auftrag seiner Gattin Constanze von seinem Schüler Franz Xaver Süßmayr vollendet wurde. Einfühlsam, beherzt und mit raumfüllendem Klang interpretierte der Chor diese ganz vom Wort her
bestimmte kraftvolle Musik, die mehr im Diesseits als im Jenseits verankert zu sein scheint. Die Choristen präsentierten sich dynamisch, sicher in der Intonation, klar konturiert. Sie erwiesen sich als technisch und musikalisch brillanter Klangkörper mit hoher Vokalkultur.
Diana Fischer (Sopran), Felicitas Brunke (Alt), Daniel Schreiber (Tenor) und Konstantin Ingenpaß (Bass)

stellten bei der mehr als gelungenen Aufführung mit großem Einfühlungsvermögen und berührender Strahlkraft ihre stimmlichen Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten

20.11.2018   Ralf Joachim Kraft

Badisches Tagblatt vom 20.11.2018 / Nr. 268

 

Ein Nachmittag mit Mozart

Collegium musicum konzertiert

 

Von Gisela Brüning

 

Chor, Orchester und Solisten mit Dirigenten.

 

 

Baden-Baden – Den Kreislauf eines ganzen Lebens zeichnete das Programm des Ensembles Collegium musicum

mit einem außergewöhnlichen Konzert am Sonntagnachmittag im Weinbrennersaal des Kurhauses nach.

Unter Leitung von Mateo Penaloza Cecconi, gemeinsam mit der Philharmonie Baden-Baden und sehr engagierten Solisten widmete sich der erste Teil der Aufführung dem jugendlichen Überschwang des gerade mal 19-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart, der in kürzester Zeit mit flinkem Federkiel und überschäumendem Esprit sieben

Violinkonzerte zu Papier brachte; ein jedes etwa von 25-minütiger Dauer.

Es war Elias Moncado, der das Violinkonzert G-Dur (KV 216) mit wohl vergleichbarer Unbefangenheit und Intensität eines jungen Mozart darbrachte.

Tadellose Kadenzen und ein dynamisch nuancenreicher Vortrag, den die Saiten einer Stradivari-Violine adelten,

wiesen den Solisten trotz seiner erst 18 Jahren als großes Talent und auch als Routinier aus.

Der Sohn des früheren Chorleiters Bernhard Moncado begann vierjährig das Geigenspiel, das ihn seitdem fasziniert. Die Aufzählung berühmter Lehrer, darunter an erster Stelle der unvergessene Rainer Kussmaul, der Studien- und Stipendien-Orte und die Nennung zahlloser Preise und Würdigungen nahm im Programmheft

mehr als eine Seite ein. Aktuell studiert Elias Moncado am Salzburger Mozarteum.

Dabei wirkte er schon perfekt, als er das G-Dur-Konzert mit seinem verspielten Presto des ersten Satzes, dem sanglich zarten Adagio und dem übermütig tänzerischen Rondo-Finale interpretierte. Es war, als zögen Szenen des jugendlichen Mozarts aus dem Film „Amadeus“ im Kopf-Kino vorüber.

 

Meisterlicher Geigensolist: Elias Moncado.

 

Mit dramatischer Steigerung drängten sich wiederum Bilder des sterbenden Mozarts auf beim anschließend zu Gehör kommenden „Requiem“, das ein Fragment blieb, bevor Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr es in traditioneller Gestalt (nach dem Ritus der katholischen Kirche) vollendete.

Manchem mag es als Wagnis erschienen sein, dieses Werk kurz nach den Festspielhaus- Aufführungen mit Thomas Hengelbrock und dem Balthasar- Neumann-Ensemble anzubieten.

Dem widersprach der nahezu ausverkaufte Weinbrennersaal am Nachmittag des Volkstrauertags, eilt doch

dem Collegium musicum der Ruf eines außerordentlich begabten und disziplinierten Chores voraus, dessen Einladungen fähige Solisten gern Folge leisten.

Die Probenarbeit begann bereits vor einem halben Jahr, zunächst noch unter Leitung von Moncado, bevor dessen

„Schüler“ Mateo Penaloza die Leitung des Ensembles übernahm.

Nach seinem sehr erfolgreichen Werdegang war das Mozart-Requiem das erste Konzert mit dem Collegium

musicum, und der nicht enden wollende Beifall bestätigte, dass es ausgezeichnet klang.

Angesichts der Größe, die der Chor inzwischen erreicht hat, müssten die begeisterten, mit sichtbarem Eifer musizierenden Sängerinnen und Sänger ihre Stimmen nicht unbedingt bis zum Anschlag strapazieren,

damit sich der Gesang optimal entfalten kann.

Immer vollendet ausgewogen und betörend angenehm ist die Sopranstimme von Diana Fischer.

An ihrer Seite mit prägendem Vibrato übernahm Felicitas Brunke die Alt-Partie.

Während Tenor und Bass bei den Chorsängern ein kräftig wohltönendes Fundament bildeten,

hatten es Daniel Schreiber mit markiger Tenorstimme und der junge Bass Konstantin Ingenpaß nicht immer leicht,

sich neben der mächtigen Klangkulisse von Chor und Orchester zu behaupten. Sobald sie solistisch im Einsatz

waren, war an ihren Fähigkeiten nicht zu zweifeln.

Alles in allem honorierte ein begeistertes Publikum dieses besondere Konzert mit enthusiastischem Beifall.

 

Mit freundlicher Genehmigung  Badisches Tagblatt vom 20.11.2018 / Nr. 268

Gisela Brünig, Fotos Gisela Brüning

 

Moncado geht nach Stuttgart
Das Collegium Musicum verliert seinen künstlerischen Leiter

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Bernhard Moncado, der künstlerische Leiter des Collegiums Musicum Baden-Baden, wird den Chor nach gut eineinhalb Jahren verlassen.

Grund: Die Landeshauptstadt lockt. Der Dirigent übernimmt ab September die Stelle des zweiten Chordirektors für den Staatsopernchor Stuttgart. Er müsse das Baden- Badener Ensemble abgeben, weil das Stuttgarter Opernhaus keine Dienstbefreiung zur Leitung eines weiteren Chors zulasse, wie Moncado in der jüngsten  Mitgliederversammlung des Collegium Musicum informierte. „Wir bedauern das natürlich. Es bedeutet aber auch für uns eine Auszeichnung, wenn unser Dirigent künftig ein so renommiertes Ensemble leitet“, so Vorsitzender Konrad Raab.
Der Staatsopernchor Stuttgart erhielt im vergangenen Jahr bei einer Befragung von 50 Opernkritikern aus dem In- und Ausland zum zehnten Mal die Auszeichnung „Opernchor des Jahres“. Unter der Leitung von Simon Rattle war der Staatsopernchor Stuttgart zusammen mit den Berliner Philharmonikern bei den Osterfestspielen 2015 im Festspielhaus zu erleben.
Bernhard Moncado hatte die Leitung des Collegium Musicum im Januar 2017 von seiner Vorgängerin Virginie Auvray übernommen. Er war seit 2004 Chordirektor und Dirigent am Theater Freiburg.
2014 übernahm er zudem eine Stelle als Lehrbeauftragter für Korrepetition und Gesang sowie Chor- und Orchesterdirigieren an der Musikhochschule Freiburg. In seiner bisherigen Karriere war Moncado unter anderem von 1988 bis 1989 musikalischer Assistent von Leonard Bernstein beim Schleswig-Holstein-Musikfestival und von 1990 bis 1993 Solorepetitor und musikalischer Assistent von Wolfgang Sawallisch an der Bayerischen Staatsoper München.

Gastdirigate führten Moncado immer wieder ins In- und Ausland. Im Sommer leitet er regelmäßig Orchester-Workshops mit Jugend- und Studentenorchestern in Malaysia.
Mit dem Collegium Musicum studierte er zwei größere Programme ein: die Aufführung von Giacino Rossinis „Petite
messe solennelle“ und ein Konzert mit Liedern von der Renaissance bis zur frühen Moderne. Moncado wird die Proben des Collegium Musicum noch bis Ende Juli leiten.

Der Chor präsentiert im November zusammen mit der Philharmonie Mozarts Requiem. In die aktuelle Probenarbeit ist bereits Mateo Peñaloza Cecconi eingebunden. Er ist ein Schüler Moncados im Chor- und Orchesterleitungskurs an der Musikhochschule Freiburg.
Beim Vorstand im Collegium Musicum bleibt übrigens alles beim Alten: Die Versammlung bestätigte Konrad Raab
(erster Vorsitzender), Julia Lösle (zweite Vorsitzende), Karin Falk (Schriftführerin), Norbert Klövekorn (Kassenwart)
und Claudia Mestrom (Notenwartin) einstimmig in ihrern Ämtern.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten

18.06.2018 Dr. Michael Rudolphi

 

 

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Viele Gefühlslagen kommen zur Geltung


Das Collegium Musicum widmete sich bei seinem Konzert in der Lutherkirche dem Thema Liebe

 

 

BUNTES FARB-KOLORIT: Das Collegium Musicum Baden-Baden präsentierte bei seinem Konzert in der Lutherkirche einen musikalischen Blumenstrauß über Frühling, Liebchen, Täubchen, Mütter und Männer.                                                                                                                                                                                                        Foto: Heineke-Dietz

 

Von Frühlingsgefühlen beflügelt präsentierte das Collegium Musicum Baden-Baden unter dem Motto

„Bonjour mon coeur“
in der Evangelischen Lutherkirche Lichtental sein Konzert. Der musikalische Blumenstrauß über Frühling, Liebchen, Täubchen, Mütter und Männer … war mit unterschiedlichstem Farb-Kolorit aus Chorsätzen von vier Jahrhunderten bestückt.
Die Renaissance- Komponisten Giovanni Giacomo Gastoldi, Thomas Morley, Orlando di Lasso und Hans Leo Haßler beschäftigten sich inbrünstig mit Falalala-Gefühlen, das bedeutet, dass gewisse „Lustschreie“ dem artigen Falalala untergeordnet waren. Allerdings war davon am Konzertnachmittag nicht so viel zu spüren. Doch ließ der Chor unter der Leitung von Bernhard Moncado, am Klavier von Rolf Minter gekonnt begleitet,das gewisse Etwas nicht vermissen.
Ein schwieriges Repertoire hatte sich das Collegium Musicum ausgesucht, schwierig auch in der „Umsetzung“, da
wie heutzutage in vielen Chören zu beobachten ist, die Jugend nur selten für die Chormusik zu begeistern ist.

Im 19. Jahrhundert blühte sie geradezu, es entstanden sehr viele Werke. Die Komponisten jener Zeit schufen Lieder zuhauf, unter anderem Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms und Gabriel Fauré, um nur einige zu nennen.

Eingangs erklangen vier Lieder A-cappella der Renaissance-Komponisten, die der Chor auf italienisch, englisch,
französisch und natürlich auch auf deutsch sang. Das ältere Publikum in der gut besuchten Kirche wird sich sicher
noch an das temperamentvolle Volkslied „Tanzen und Springen“ aus ihrer Schulzeit erinnern, das der Dirigent
auf dem Tamburin mit interessanten Rhythmen begleitete.

Eingebettet in die Chorblöcke rezitierte der Sprecher Thomas Weiß, der als Pfarrer seinen Dienst in der Lutherkirche versieht, lyrische Gedichte von Walther von der Vogelweide und einem anonymen Autor, indem er den Blick auf die Geheimnisse der Natur und ein Loblied auf den Mai schärfte. Auch die Gedichte von Eichendorff, Heine, Rilke, Huch, Domin oder Lasker-Schüler deklamierte er facettenreich, stimmungsvoll und
nachdrücklich.
Vollen Gestaltungswillen zeigte der Chor in den „Drei Quartetten“ von Johannes Brahms. Hier zeichnete er die
unterschiedlichsten Gefühlslagen auf, wobei der Alt in „Der Gang zum Liebchen“ mit Crescendi glänzte und alle
Stimmen einen perfekten Abgang schufen.
Jeweils perfekt unterstützte Rolf Minter am Klavier in den schwierigen Liedern die Sänger, wobei es ihm immer
wieder gelang, seinen Part bravourös auszugestalten.

Antonín Dvořáks„ Sechs Klänge aus Mähren“ in einer Bearbeitung von Leoš Janáček waren geprägt vom
böhmischen Flair, das die Frauen und Männerstimmen über Trennung, Liebe, Verlassensein, Scheiden bis hin zur Zuversicht einfühlsam und klangreich darboten, auch wenn die stimmliche Strahlkraft nicht immer voll zur Geltung
kam. Adolf Jensens „Nachtlied“ im A-cappella-Vortrag besaß hingebungsvolle Wärme.
Stimmungsvoll changierte der Chor in Gabriel Faurés „Cantique de Jean Racine“ die Gnade der Herrlichkeit bis ins
Sakrale.

Den Abschluss des Konzerts bildeten die „Vier slowakischen Volkslieder“ von Béla Bartók, die dessen
Sehnsucht für die ungarische Volksmusik deutlich werden ließen. Schwierig angelegt in der Konzeption, gelang dem Collegium Musicum, eine harmonische Vielstimmigkeit mit vollkommener Begeisterung darzubieten.
Es erklangen nach reichhaltigem Beifall zwei Zugaben: Faurés „Cantique“ und „Der Gang zum Liebchen“ von
Brahms.

 

Karin Heineke-Dietz

 

"Mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten"

 

Badischen Neuesten Nachrichten 05.06.2018

 

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