Presse

Moncado geht nach Stuttgart
Das Collegium Musicum verliert seinen künstlerischen Leiter

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Bernhard Moncado, der künstlerische Leiter des Collegiums Musicum Baden-Baden, wird den Chor nach gut eineinhalb Jahren verlassen.

Grund: Die Landeshauptstadt lockt. Der Dirigent übernimmt ab September die Stelle des zweiten Chordirektors für den Staatsopernchor Stuttgart. Er müsse das Baden- Badener Ensemble abgeben, weil das Stuttgarter Opernhaus keine Dienstbefreiung zur Leitung eines weiteren Chors zulasse, wie Moncado in der jüngsten  Mitgliederversammlung des Collegium Musicum informierte. „Wir bedauern das natürlich. Es bedeutet aber auch für uns eine Auszeichnung, wenn unser Dirigent künftig ein so renommiertes Ensemble leitet“, so Vorsitzender Konrad Raab.
Der Staatsopernchor Stuttgart erhielt im vergangenen Jahr bei einer Befragung von 50 Opernkritikern aus dem In- und Ausland zum zehnten Mal die Auszeichnung „Opernchor des Jahres“. Unter der Leitung von Simon Rattle war der Staatsopernchor Stuttgart zusammen mit den Berliner Philharmonikern bei den Osterfestspielen 2015 im Festspielhaus zu erleben.
Bernhard Moncado hatte die Leitung des Collegium Musicum im Januar 2017 von seiner Vorgängerin Virginie Auvray übernommen. Er war seit 2004 Chordirektor und Dirigent am Theater Freiburg.
2014 übernahm er zudem eine Stelle als Lehrbeauftragter für Korrepetition und Gesang sowie Chor- und Orchesterdirigieren an der Musikhochschule Freiburg. In seiner bisherigen Karriere war Moncado unter anderem von 1988 bis 1989 musikalischer Assistent von Leonard Bernstein beim Schleswig-Holstein-Musikfestival und von 1990 bis 1993 Solorepetitor und musikalischer Assistent von Wolfgang Sawallisch an der Bayerischen Staatsoper München.

Gastdirigate führten Moncado immer wieder ins In- und Ausland. Im Sommer leitet er regelmäßig Orchester-Workshops mit Jugend- und Studentenorchestern in Malaysia.
Mit dem Collegium Musicum studierte er zwei größere Programme ein: die Aufführung von Giacino Rossinis „Petite
messe solennelle“ und ein Konzert mit Liedern von der Renaissance bis zur frühen Moderne. Moncado wird die Proben des Collegium Musicum noch bis Ende Juli leiten.

Der Chor präsentiert im November zusammen mit der Philharmonie Mozarts Requiem. In die aktuelle Probenarbeit ist bereits Mateo Peñaloza Cecconi eingebunden. Er ist ein Schüler Moncados im Chor- und Orchesterleitungskurs an der Musikhochschule Freiburg.
Beim Vorstand im Collegium Musicum bleibt übrigens alles beim Alten: Die Versammlung bestätigte Konrad Raab
(erster Vorsitzender), Julia Lösle (zweite Vorsitzende), Karin Falk (Schriftführerin), Norbert Klövekorn (Kassenwart)
und Claudia Mestrom (Notenwartin) einstimmig in ihrern Ämtern.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten

18.06.2018 Dr. Michael Rudolphi

 

 

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Viele Gefühlslagen kommen zur Geltung


Das Collegium Musicum widmete sich bei seinem Konzert in der Lutherkirche dem Thema Liebe

 

 

BUNTES FARB-KOLORIT: Das Collegium Musicum Baden-Baden präsentierte bei seinem Konzert in der Lutherkirche einen musikalischen Blumenstrauß über Frühling, Liebchen, Täubchen, Mütter und Männer.                                                                                                                                                                                                        Foto: Heineke-Dietz

 

Von Frühlingsgefühlen beflügelt präsentierte das Collegium Musicum Baden-Baden unter dem Motto

„Bonjour mon coeur“
in der Evangelischen Lutherkirche Lichtental sein Konzert. Der musikalische Blumenstrauß über Frühling, Liebchen, Täubchen, Mütter und Männer … war mit unterschiedlichstem Farb-Kolorit aus Chorsätzen von vier Jahrhunderten bestückt.
Die Renaissance- Komponisten Giovanni Giacomo Gastoldi, Thomas Morley, Orlando di Lasso und Hans Leo Haßler beschäftigten sich inbrünstig mit Falalala-Gefühlen, das bedeutet, dass gewisse „Lustschreie“ dem artigen Falalala untergeordnet waren. Allerdings war davon am Konzertnachmittag nicht so viel zu spüren. Doch ließ der Chor unter der Leitung von Bernhard Moncado, am Klavier von Rolf Minter gekonnt begleitet,das gewisse Etwas nicht vermissen.
Ein schwieriges Repertoire hatte sich das Collegium Musicum ausgesucht, schwierig auch in der „Umsetzung“, da
wie heutzutage in vielen Chören zu beobachten ist, die Jugend nur selten für die Chormusik zu begeistern ist.

Im 19. Jahrhundert blühte sie geradezu, es entstanden sehr viele Werke. Die Komponisten jener Zeit schufen Lieder zuhauf, unter anderem Franz Schubert, Robert Schumann, Johannes Brahms und Gabriel Fauré, um nur einige zu nennen.

Eingangs erklangen vier Lieder A-cappella der Renaissance-Komponisten, die der Chor auf italienisch, englisch,
französisch und natürlich auch auf deutsch sang. Das ältere Publikum in der gut besuchten Kirche wird sich sicher
noch an das temperamentvolle Volkslied „Tanzen und Springen“ aus ihrer Schulzeit erinnern, das der Dirigent
auf dem Tamburin mit interessanten Rhythmen begleitete.

Eingebettet in die Chorblöcke rezitierte der Sprecher Thomas Weiß, der als Pfarrer seinen Dienst in der Lutherkirche versieht, lyrische Gedichte von Walther von der Vogelweide und einem anonymen Autor, indem er den Blick auf die Geheimnisse der Natur und ein Loblied auf den Mai schärfte. Auch die Gedichte von Eichendorff, Heine, Rilke, Huch, Domin oder Lasker-Schüler deklamierte er facettenreich, stimmungsvoll und
nachdrücklich.
Vollen Gestaltungswillen zeigte der Chor in den „Drei Quartetten“ von Johannes Brahms. Hier zeichnete er die
unterschiedlichsten Gefühlslagen auf, wobei der Alt in „Der Gang zum Liebchen“ mit Crescendi glänzte und alle
Stimmen einen perfekten Abgang schufen.
Jeweils perfekt unterstützte Rolf Minter am Klavier in den schwierigen Liedern die Sänger, wobei es ihm immer
wieder gelang, seinen Part bravourös auszugestalten.

Antonín Dvořáks„ Sechs Klänge aus Mähren“ in einer Bearbeitung von Leoš Janáček waren geprägt vom
böhmischen Flair, das die Frauen und Männerstimmen über Trennung, Liebe, Verlassensein, Scheiden bis hin zur Zuversicht einfühlsam und klangreich darboten, auch wenn die stimmliche Strahlkraft nicht immer voll zur Geltung
kam. Adolf Jensens „Nachtlied“ im A-cappella-Vortrag besaß hingebungsvolle Wärme.
Stimmungsvoll changierte der Chor in Gabriel Faurés „Cantique de Jean Racine“ die Gnade der Herrlichkeit bis ins
Sakrale.

Den Abschluss des Konzerts bildeten die „Vier slowakischen Volkslieder“ von Béla Bartók, die dessen
Sehnsucht für die ungarische Volksmusik deutlich werden ließen. Schwierig angelegt in der Konzeption, gelang dem Collegium Musicum, eine harmonische Vielstimmigkeit mit vollkommener Begeisterung darzubieten.
Es erklangen nach reichhaltigem Beifall zwei Zugaben: Faurés „Cantique“ und „Der Gang zum Liebchen“ von
Brahms.

 

Karin Heineke-Dietz

 

"Mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neuesten Nachrichten"

 

Badischen Neuesten Nachrichten 05.06.2018

 

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